Zeit, danke zu sagen

Mit dem 31.12.2020 hat Julietta Fix den Betrieb von fixpoetry.com nach dreizehn Jahren auf Grund mangelnder Finanzierung eingestellt. Zeit, danke zu sagen.

Zu fixpoetry fand ich eher zufällig, oder auch dank einer glücklichen Fügung. Ein Dichter, der kein Exemplar seines Bandes mit dabei hatte und auch kein Geld, mir selbst eines zu schicken, ließ mir stattdessen ein Rezensionsexemplar von seinem Verlag zuschicken. Darüber, dass der Gedichtband ganz alleine zu mir in den Postkasten fand, hab ich mich damals sehr gefreut und ihn dann auch tatsächlich rezensiert: meine allererste Rezension! Der Vorschlag, sie fixpoetry anzubieten, kam vom Dichter selbst, da ich fixpoetry zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gekannt hatte. Und so fand ich 2013 zu fixpoetry. Was fixpoetry in den folgenden acht Jahren für mich bedeutet hat, kann ich nicht in Worte fassen, will es aber doch in Ansätzen versuchen. fixpoetry ist nach und nach zu meiner Heimat geworden. Und zur Luft, die ich zum Atmen brauchte. Für mich selbst als Mensch, Autorin und Rezensentin war das Finden von fixpoetry wohl eine der weitreichendsten Weichenstellungen in meinem Leben. Auf fixpoetry lernte ich die endlose Weite zeitgenössischer Lyrik kennen und lieben. Denn im Rahmen meines Germanistikstudiums waren mir, mit Ausnahme vom damals auch schon älteren Gerhard Rühm, keine lebenden Autoren oder Autorinnen begegnet. Die Komparatistik, mein Zweitstudium, war da wesentlich aktueller, aber trotzdem war es wirklich eine große Entdeckung für mich, dass es da draußen eine ganze Welt lebender und schreibender Dichter und Dichterinnen gibt. Die jetzt schreiben, was wir erst morgen lesen werden können. Und was im besten Fall erst in einigen Jahrzehnten in den Radar der Germanistik rückt. fixpoetry war immer ganz vorn dabei, besprach, was eben erst druckfrisch erschienen war. Und das sofort. Die große Geschwindigkeit, mit der es agieren kann, ist einer der großen Vorteile des Internets. Ein anderer Vorteil, den ich an fixpoetry immer sehr zu schätzen wusste, war, dass es keine Platzbeschränkungen gab und man wirklich ganz eintauchen konnte in ein Werk. Ohne Rücksicht auf Verluste einfach alles schreiben zu können, was einem wichtig erscheint, ist und war ein ungeheurer Luxus.

Die Zusammenarbeit mit Dir, liebe Julietta, war in all den Jahren immer großartig. Wertschätzend, offen und voll Vertrauen bist Du uns begegnet. So wurde ich erst Teil des Rezensentinnenpools, bekam später eine eigene Autorenseite, wurde Redaktionsmitglied und startete 2014 meine eigene Reihe, die Literarischen Selbstgespräche – als Experiment, ohne zu wissen, ob es überhaupt funktionieren würde: Ja, es hat funktioniert und war bis zuletzt spannend, zumindest für mich. Nach 49 Selbstgesprächen kann ich das sagen. fixpoetry und Du habt mir als junger Autorin und Rezensentin Raum und Zeit gegeben, mich zu entfalten und kontinuierlich an mir arbeiten zu können. Es hat Jahre gedauert, bis ich es wagte, erstmals einen Band von Friederike Mayröcker zu besprechen. Und es hat auch Jahre gedauert, bis ich genug Routine, Erfahrung und Selbstvertrauen gesammelt hatte, am Beginn einer Rezension keine (Selbst-)Zweifel mehr zu haben, ob ich es auch tatsächlich schaffen würde, dieses Buch zu rezensieren. Wie viele Bücher, Dichter und Dichterinnen, Büchermenschen habe ich nicht dank und über fixpoetry kennengelernt! Ohne fixpoetry wäre ich eine andere. Danke für alles, liebe Julietta, für die acht Jahre der wunderschönen Zusammenarbeit! Du fehlst mir schon jetzt, fixpoetry fehlt mir schon jetzt. Bleib gesund und pass gut auf Dich auf! Und wir bleiben Freunde!

Astrid Nischkauer, Wien, 30.12.2020

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